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Vitiligo und Schilddrüse   PDF  Drucken  E-mail 

Vitiligo und Schilddrüse: Regelmässige Kontrolle sinnvoll

Quelle: Journal der SPVG - Schweizerische Psoriasis und Vitiligo Gesellschaft,  Postfach 8048 Zürich, Ausgabe 6/2000


Dass Vitiligo nicht einfach ein kosmetisches Problem ist, sollte heute keiner Erwähnung mehr bedürfen. Viel zu wenig bekannt ist jedoch nach wie vor, dass eine Vitiligo sehr häufig mit einer Schilddrüsenerkrankung einhergeht. Schätzungsweise ein bis zwei Drittel aller Vitiligopatienten leiden zusätzlich an einer Fehlfunktion der Schilddrüse. Möglich sind dabei sowohl eine Über- wie eine Unterfunktion dieses lebenswichtigen Organs.

 Zu den Krankheiten, die auftreten können, gehören unter anderem der Morbus Basedow und die Hashimoto-Thyreoiditis, seltener kommen auch eine perniziöse Anämie, Diabetes Mellitus Typ I oder ein Morbus Addison vor. Weil die Erkrankung der Schilddrüse einer Vitiligo sowohl vorausgehen wie auch noch Jahre nach dem erstmaligen Auftreten der Vitiligo erstmals festgestellt werden kann, ist eine regelmäßige Kontrolle der Schilddrüsenfunktion bei allen Patienten mit Vitiligo sinnvoll.  

Ohne Schilddrüse und Schilddrüsenhormone sind weder eine gesunde Entwicklung noch ein normales Leben möglich; beide beeinflussen fast alle wichtigen Organe des menschlichen Körpers. Schilddrüsenhormone haben eine Wirkung auf die Skelett- und Muskelentwicklung, auf die Entwicklung und die Funktionen des Hirns, das Herz- und Kreislaufsystem und die Fortpflanzungsorgane, aber auch auf die Haut und die Haare.

Die Schilddrüse liegt vor der Luftröhre unterhalb des Kehlkopfs. Das Organ ist hufeisenförmig, gefäßreich und vor allem wegen der abgesonderten Hormone wichtig. Schilddrüsenfunktionsstörungen führen entsprechend häufig zu Organschädigungen, wenn sie nicht erkannt oder behandelt werden.

Die häufigste Ursache für eine Schilddrüsenerkrankung (Thyreoiditis) ist ein Jodmangel - ein Grund, weshalb unserem Kochsalz kleine Mengen von Jod beigefügt werden. Früher war der Kropf (Struma, eine krankhafte Vergrösserung der Schilddrüse) noch weitverbreitet. Ursache dafür war in den meisten Fällen ein Jodmangel. Fachärzte gehen davon aus, dass noch heute 40 Prozent aller erwachsenen Deutschen eine vergrößerte Schilddrüse haben.

Bereits als zweithäufigste Ursache von Schilddrüsenerkrankungen gelten immunologische Störungen. Bei einer Autoimmunerkrankung wird körpereigenes Gewebe von Autoantikörpern, vom Immunsystem hergestellten Eiweißstoffen, angegriffen und zerstört oder stimuliert.

Wenn die Schilddrüse von einer Autoimmunerkrankung betroffen ist, spricht man von einer Autoimmunthyreoiditis oder einer Autoimmunthyreopathie.

Polyglanduläres Autoimmunsyndrom 

Neuere Studien zeigen nun immer genauer, dass gewisse Autoimmunerkrankungen oft gemeinsam auftreten. Wenn die Schilddrüsen dabei beteiligt sind, sprechen Ärzte vom polyglandulären Autoimmunsyndrom oder pluriglandulären Autoimmunsyndrom (PAS, lat. glandula = Drüse, glandulär heißt innere Drüsen betreffend, von inneren Drüsen ausgehend, poly- oder pluri- bedeutet viel, mehr als normal).

Von einem polyglandulären Autoimmunsyndrom können verschiedenste Organe betroffen sein. Zu den möglicherweise auftretenden Krankheiten gehört auch die Vitiligo, die ja ebenfalls zu den Autoimmunkrankheiten zählt.

Dabei muss sich eine Schilddrüsenfunktionsstörung nicht immer als erstes Anzeichen eines polyglandulären Autoimmunsyndroms bemerkbar machen. Es kann im Gegenteil durchaus der Fall sein, dass jemand über Jahre an Vitiligo leidet, bevor auch eine Störung der Schilddrüsenfunktion festgestellt wird. 

Herzstörungen  

Funktionsstörungen der Schilddrüse führen häufig zu Organschädigungen. Oft betroffen sind das Herz und der Gastrointenstinaltrakt (Magen-Darm-Bereich, griech. gaster, gastros = Magen, Unterleib, lat. intestinum = Darm).

Beim Herz bewirkt eine Überfunktion der Schilddrüse (Hyperthyreose) eine erhöhte Herzfrequenz. Weil gleichzeitig die Fähigkeit des Herzmuskels, sich zusammenzuziehen, verstärkt wird, kommt es dabei allerdings selten zu einer chronischen Herzschwäche. Gleichzeitig können Herzrhythmusstörungen auftreten, die jedoch meist nicht lebensbedrohend sind. Diese Rhythmusstörungen können sogar bereits auftreten, wenn die Schilddrüsenhormonwerte noch normal sind.

Bei einer Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose) verlangsamt sich die Herzfrequenz. Falls die Unterfunktion nicht behandelt wird, kann dies zu einer Herzschwäche führen. Komplexe Rhythmusstörungen und eine Angina pectoris (plötzlich eintretende Schmerzen im Brustkorb mit Atemnot und Erstickungsanfällen) treten allerdings auch hier nur auf, wenn eine schwere Schilddrüsenunterfunktion lange Zeit nicht behandelt wird. 

Auswirkungen im Magen-Darm-Bereich 

Eine Schilddrüsenüberfunktion führt zu einer stimulierenden Wirkung im Magen-Darm-Trakt. Dadurch kann es einer mangelhaften Aufnahme der Nahrung im Darm kommen. Eine Folge davon ist eine erhöhte Stuhlfrequenz und letztlich eine Gewichtsabnahme.

Aber auch eine Unterfunktion der Schilddrüse und ein daraus resultierender Hormonmangel hat gravierende Auswirkungen auf den Magen-Darm-Bereich. Der Darm arbeitet langsamer und die Aufnahme von Vitaminen, Mineralstoffen und Spurenelementen kann gestört sein. Letztlich kann eine Unterfunktion zu einem Darmverschluss führen. 

Veränderungen an Haut, Haaren und Nägeln 

Die Schilddrüsenhormone haben aber auch einen wesentlichen Einfluss auf die Haut, den Haarwuchs und die Nägel. Fast alle Zellen, die beim Aufbau der Haut, der Haare und der Finger- und Zehennägel eine Rolle spielen, haben auch Rezeptoren für Schilddrüsenhormone.

Auch hier haben sowohl zuviel wie auch zuwenig Schilddrüsenhormone Veränderungen zur Folge. Die meisten Veränderungen an Haut, Haaren und Nägeln können aber mit einer entsprechenden Behandlung der Schilddrüse rückgängig gemacht werden. 

Hyperthyreose 

Bei einer Überfunktion der Schilddrüse ist die Körpertemperatur wegen der erhöhten Herzfrequenz oft leicht erhöht, Patienten leiden oft unter einem dauerhaften Schwitzen. Die Haut ist warm, feucht oder schweißig, weich und glatt. Die Hautzellen teilen sich häufiger, daneben kann Juckreiz auftreten.

Die Haare wachsen bei einer Überfunktion der Schilddrüse schneller, sie wirken dünner. Gleichzeitig kommt es bei etwa 40 Prozent der Patienten mit einer Überfunktion der Schilddrüse zu Haarausfall. Auch das Wachstum der Fingernägel ist beschleunigt, es kann zu Längsrillen kommen und die Fingernägel sind glänzend, weicher und brüchiger. 

Hypothyreose 

Bei einer Unterfunktion der Schilddrüse hingegen ist die Haut oft kühl, trocken, gespannt, wächsern, verdickt, manchmal rau und schuppig und besonders über den Wangenknochen blass. Die Schweißsekretion ist vermindert.

Falls die Unterfunktion lange Zeit nicht behandelt wird, kann sie über eine Hemmung der Aufnahme von Caroten zu einer Caroten-Ablagerung in der Haut und deshalb zu einer Gelbfärbung an den Nasenfalten, den Fußsohlen oder den Handflächen führen.

Auch die Haare sind trocken und schwach. Wie bei einer Überfunktion kommt es zu vermehrtem Haarausfall. 

Weitere möglicherweise betroffene Organe 

Wenn immunologische Störungen als Ursache von Schilddrüsenerkrankungen vorliegen, treten sehr oft weitere Krankheiten auf, die dann unter dem Begriff polyglanduläres Autoimmunsyndrom zusammengefasst werden. Dabei werden zwei Typen unterschieden.

Das polyglanduläre Autoimmunsyndrom Typ I (PAS Typ I), das vorwiegend im Kindes- und Jugendalter auftritt, kann neben der Schilddrüse eine Beteiligung der Nebenniere, der Bauchspeicheldrüse, der Geschlechtsdrüsen (Eierstöcke, Hoden), der Blutbildung, der Haut, der Nebenschilddrüsen, der Schleimhäute, der Haare, der Leber sowie der Muskulatur einschließen.

Das polyglanduläre Autoimmunsyndrom Typ II (PAS Typ II) tritt im Erwachsenenalter auf. Hier können neben der Schilddrüse die Nebenniere, die Bauchspeicheldrüse, die Geschlechtsdrüsen, das Blut und die Haut betroffen sein. 

Mögliche Krankheiten  

Zu den Krankheiten, die zum polyglandulären Autoimmunsyndrom gehören, zählen der Morbus Basedow und die Hashimoto-Thyreoiditis. Beides sind autoimmunbedingte Erkrankungen der Schilddrüse. Während beim Morbus Basedow die Schilddrüse vergrößert ist, äußert sich die Hashimoto-Thyreoiditis als Unterfunktion der Schilddrüse mit einem Abbau des Gewebes.

Weitere Krankheiten, die bei einem polyglandulären Autoimmunsyndrom auftreten können, sind neben Vitiligo zum Beispiel Diabetes mellitus Typ I, Morbus Addison, Alopezie (kreisrunder Haarausfall), perniziöse Anämie und Hypogonadismus. 

Morbus Basedow 

Morbus Basedow kommt in jedem Lebensalter vor und ist im Erwachsenenalter die häufigste Form einer Überfunktion der Schilddrüse. Die Krankheit hat ihren Namen vom Merseburger Arzt Dr. Karl Adolf von Basedow (1799 - 1884), der diese Form einer Schilddrüsenüberfunktion 1840 erstmals beschrieb. Als Symptome bezeichnete er schon damals eine Vergrößerung der Schilddrüse, eine Beschleunigung der Herztätigkeit und das Hervortreten der Augen.

Die Krankheit wird durch eine Störung des Immungleichgewichts verursacht. Eine wichtige Rolle spielt dabei das Hormon TSH (Thyreoidea stimulierendes Hormon, also dasjenige Hormon, das die Schilddrüse anregt, ihrerseits Hormone zu bilden), das von der Hirnanhangdrüse (Hypophyse) hergestellt wird. Als Folge überschießt die Hormonproduktion der Schilddrüse.

Ein Morbus Basedow äußert sich in Form von Schlaflosigkeit, Abnahme des Körpergewichts, Schweißausbrüchen, Abgeschlagenheit, Kraftlosigkeit, Neigung zu Durchfällen oder plötzlichen Schwächezuständen. Typisch sind auch eine feuchtwarme Haut und ein erhöhter Blutdruck. Im Extremfall kann der Muskelabbau so weit fortschreiten, dass ein Patient ohne Hilfe nicht mehr aus der Hocke aufstehen kann.

Sehr häufig sind auch die Augen beteiligt. Symptome dafür sind zum Beispiel tränende Augen, Augenbrennen, Lichtempfindlichkeit oder verschwommenes Sehen. Manchmal können die Augen auch stark hervortreten.

Zu einer genauen Diagnose gehören die umfassende Untersuchung mit Abtasten und Abhören der Schilddrüse, eine Sonographie (eine Untersuchung der Schilddrüse mit Ultraschalls), eine Szintigraphie (dabei wird mit einer radioaktiven Substanz die Jodaufnahme in der Schilddrüse kontrolliert) und eine Blutuntersuchung.

Eine ursächliche Behandlung des Morbus Basedow ist noch nicht möglich. Mit Medikamenten kann die Krankheit jedoch meistens gut kontrolliert werden.

Falls die Medikamente nicht wirken, muss eine operative Verkleinerung oder fast totale Entfernung der Schilddrüse erfolgen. Diese Operation verspricht dann aber einen fast sicheren Erfolg. 

Hashimoto-Thyreoiditis 

Die Hashimoto-Thyreoiditis hat ihren Namen vom japanischen Arzt Hashimoto. Ursache der Krankheit ist ebenfalls eine immunologische Störung: Der Organismus sieht körpereigene Schilddrüsenzellen als fremd an. Daraufhin produziert das Immunsystem sogenannte Autoantikörper, Abwehrstoffe gegen Zellstrukturen des eigenen Organismus. Diese können die Schilddrüsenzellen schädigen.

Bei der atrophischen Form (griech. Atrophie = Schwund) zerstören sie einen Teil des gesunden Schilddrüsengewebes. Als Folge kann die Schilddrüse dem Körper nicht mehr genügend Hormone zur Verfügung stellen.

Bei der selten vorkommenden hypertrophen Form findet sich eine oft schmerzlose Vergrößerung der Schilddrüse und ihrer Zellen, die sich dann ähnlich wie ein Kropf äußert.

Eine Hashimoto-Thyreoiditis zeigt sich in Form von Schwäche, Antriebsmangel, Müdigkeit und Kältegefühl. Haut und Haare sind trocken und spröde, die Nägel brüchig. Frauen sind häufiger betroffen als Männer, oft tritt die Krankheit im mittleren Lebensalter auf.

Weil sich eine Hashimoto-Thyreoiditis meist langsam entwickelt und selten Schmerzen auftreten, wird sie oft erst spät entdeckt. Oft ist dann das Schilddrüsengewebe schon soweit zerstört, dass es nicht mehr ausreichend Hormone herstellen kann.

Auch zur Diagnose einer Hashimoto-Thyreoiditis gehören Sonographie, Szintigraphie, eine Untersuchung des Blutes bezüglich Autoantikörper und, sofern die vorherigen Untersuchungen keine Klarheit verschafften, eine Feinnadelpunktion.

Die ursächliche Behandlung einer Hashimoto-Thyreoiditis ist noch nicht möglich. Die Symptome können aber durch die Einnahme von Schilddrüsenhormonen bekämpft oder zumindest gelindert werden. Die Einnahme dieser Hormone ist während des ganzen Lebens nötig. 

Diabetes mellitus Typ 1 

Als Diabetes mellitus wird eine Erhöhung des Blutzuckers bezeichnet. Ein anderer Name lautet deshalb auch Zuckerkrankheit. Dabei werden zwei Formen unterschieden.

Der Typ 1 tritt in der Regel bei Kindern und Jugendlichen zum ersten Mal auf und macht nur etwa zehn Prozent aller Diabeteserkrankungen aus.

Der Typ 2 entwickelt sich vorwiegend bei älteren Personen und wurde daher früher als Altersdiabetes bezeichnet. Hauptursache des Diabetes Typ 2 ist Überernährung und verminderte körperliche Aktivität.

Bei beiden Formen kommt es zu einem Verlust der Insulinwirkung. Insulin ist das Hormon der Bauchspeicheldrüse (Pankreas) und wird von allen Körperzellen benötigt, um Zucker aus der Blutbahn aufzunehmen. In der Zelle wird der Zucker zu Energie verbrannt. Kann der Zucker nicht von den Zellen aufgenommen werden, steigt die Zuckerkonzentration im Blut an. Ist eine bestimmte Konzentration des Zuckers im Blut überschritten, gelangt der Zucker in den Harn und wird ausgeschieden. Durch die erhöhte Zuckerausscheidung wird dem Körper zusätzlich Wasser entzogen.

Eine zweite Aufgabe des Insulins ist die Hemmung der Zuckerbildung in der Leber und in den Muskeln. Durch Insulinmangel wird vermehrt Zucker in diesen Organen gebildet und der Blutzuckerspiegel steigt weiter an.

Der Diabetes mellitus Typ 1 gehört zu den Autoimmunerkrankungen. Ursache ist die Zerstörung der Insulin-produzierenden Zellen durch das Immunsystem. Symptome für einen Diabetes mellitus Typ 1 sind starker Durst, häufiges Wasserlassen und eine Gewichtsabnahme.

Die Krankheit muss unbedingt behandelt werden. Falls die Blutzuckerwerte über längere Zeit erhöht sind, können Schäden am Herz, an den Blutgefässen, den Nieren, Augen und Nerven entstehen. Die möglichen Folgen sind Herzinfarkt, Schlaganfall, Verschluss der Beinarterien, Nierenversagen, Erblindungen, Impotenz und Amputationen.

Die Behandlung erfolgt durch das Spritzen des fehlenden Insulins unter die Haut. Dadurch erfolgt eine Normalisierung des Blutzuckerspiegels. Mit einem Blutzuckermessgerät kann der Blutzucker gemessen und so die Diabetesbehandlung gesteuert werden. Ein Diabetes mellitus Typ 1 ist zwar nicht heilbar, aber mit einer richtigen Insulinbehandlung wird das Risiko, an Spätschäden zu erkranken, deutlich verringert. 

Morbus Addison 

Auch der Morbus Addison verdankt seinen Namen dem Entdecker der Krankheit, dem Londoner Arzt Thomas Addison (1793-1860). Es handelt sich dabei um eine Erkrankung der Nebennierenrinde. Häufigste Ursache ist ein Autoimmunprozess, bei dem das Abwehrsystem des Körpers aus ungeklärten Gründen gegen das Nebennierengewebe reagiert.

In der Nebenniere werden zahlreiche Hormone produziert, die den Energiehaushalt, den Blutdruck und den Fettstoffwechsel entscheidend beeinflussen. Zu den wichtigsten Hormonen, die in der Nebennierenrinde produziert werden, gehört das Cortisol.

Dieses Hormon bewirkt zum Beispiel, dass Eiweiß rasch in Traubenzucker umgewandelt wird, ist aber auch an der körpereigenen Abwehr auf Infektionen, Verletzungen, oder seelischen Stress beteiligt.

Ebenfalls in der Nebennierenrinde gebildet wird Aldosteron, ein Hormon, das den Blutdruck reguliert. Wenn zuwenig Aldosteron gebildet wird, sinkt der Blutdruck ab.

Die Symptome eines Morbus Addison ergeben sich folglich vor allem aus dem Mangel an Cortisol und Aldosteron. Typische Anzeichen sind ein niedriger Blutdruck, Appetitmangel, Übelkeit und ein daraus folgender Gewichtsverlust sowie eine Abnahme der körperlichen Leistungsfähigkeit und der Fähigkeit des Körpers, Infektionen abzuwehren.

Behandelt wird ein Morbus Addison durch die Zuführung der fehlenden Hormone. Weil die Krankheit nicht ursächlich behandelt werden kann, muss auch hier die Hormonersatztherapie das ganze Leben lang erfolgen. 

Perniziöse Anämie 

Anämie wird normalerweise Blutarmut genannt. Eigentlich handelt es sich dabei um einen Mangel an roten Blutkörperchen, deren Hauptaufgabe es ist, Sauerstoff von der Lunge zu den verschiedenen Geweben des Körpers zu transportieren.

Die perniziöse Anämie (lat. perniciosus = verderblich) entsteht durch einen Vitamin-B12-Mangel oder seltener durch einen Folsäuremangel. Vitamin B12 wird nicht nur von den roten Blutkörperchen, sondern auch von den Nervenzellen benötigt. Ein Vitamin-B12-Mangel kann deshalb auch zu Nervenentzündungen führen. Ursachen für einen Vitamin-B12-Mangel sind entweder eine gestörte Aufnahme des Vitamins im Darm oder die mangelnde Zufuhr über die Nahrung.

Die ersten Symptome einer Anämie sind Müdigkeit, Herzklopfen, Atemnot, Schwindelgefühle, Blässe und gelbliche Verfärbung der Haut, später treten auch Verdauungsstörungen, Magendruck, Appetitlosigkeit, Gewichtsverlust, Durchfall oder Verstopfung auf. Ohne Behandlung kann die Krankheit tödlich sein.

Die Diagnose erfolgt durch eine Blutuntersuchung. Behandelt wird eine perniziöse Anämie mit Vitamin B12 in Form von Tabletten oder monatlichen Spritzen. Dadurch können alle Symptome bekämpft werden. Diese Behandlung muss lebenslang erfolgen.

Hypogonadismus 

Hypogonadismus ist eine Unterfunktion der Hoden. Als Folge lässt die Produktion des Hormons Testosteron nach. Mögliche Folgen sind eine früh einsetzende Osteoporose. Die Behandlung erfolgt über die Gabe von Testosteron. 

Frühe Diagnose wichtig 

Wenn eine Autoimmunerkrankung des polyglandulären Autoimmunsyndroms auftritt, sollten Patienten regelmäßig nach möglichen anderen Erkrankungen untersucht werden, denn eine Erkrankung der Schilddrüse kann zwar gleichzeitig mit einer anderen Krankheit auftreten oder ihr vorausgehen, aber auch noch Jahre nach dem erstmaligen Auftreten der anderen Krankheit erstmals festgestellt werden.

Eine frühe Diagnose ist deshalb wichtig, weil verschiedene Krankheiten des polyglandulären Autoimmunsyndroms zum Tod führen können, wenn sie lange unerkannt bleiben.

Bei jedem Auftreten eines polyglandulären Autoimmunsyndroms muss jede Krankheit gesondert für sich behandelt werden. Sowohl beim Typ I wie beim Typ II kann die Vitiligo als Begleiterkrankung auftreten. Die Gefahr, an einem polyglandulären Autoimmunsyndrom zu erkranken, ist insgesamt allerdings relativ gering.

Die medizinische Literatur geht davon aus, dass pro Million Einwohner etwa 15 bis 45 an einem polyglandulären Autoimmunsyndrom erkranken, das wären in der Schweiz insgesamt 105 bis 315 Betroffene. Dabei sind Frauen etwa dreimal häufiger betroffen als Männer.

Dennoch sollte die Gefahr nicht unterschätzt werden. Dr. Raphael Shimshoni, Chefarzt des Fachkrankenhaus für Dermatologie im deutschen Schloss Friedensburg stellte bei der Untersuchung von 900 Patienten mit Vitiligo fest, dass nicht weniger als 72 Prozent an einer Schilddrüsenfunktionsstörung litten. Dabei wurde neben einer Autoimmunerkrankung der Schilddrüse auch krankhafte Veränderungen der Schilddrüse wie zum Beispiel Kropf diagnostiziert. 

20 Prozent der Patienten mit PAS Typ II an Vitiligo erkrankt  

Auch bei einer deutschen Untersuchung an 151 Patienten mit dem polyglandulären Autoimmunsyndrom Typ II litten immerhin 30 von ihnen, also 19,9% an einer Vitiligo.

Bedeutend weiter verbreitet waren mit insgesamt 65,6% Autoimmunerkrankungen der Schilddrüse. Bei 33,1% manifestierte sich diese Funktionsstörung als Morbus Basedow, bei 32,5% als Hashimoto-Thyreoiditis. 60,9% der untersuchten Patienten litten an Diabetes mellitus Typ I, 18,5% an Morbus Addison, 6,0% an Alopezie und je 5,3% an perniziöser Anämie und Hypogonadismus.

Bei immerhin 12,6% von diesen Patienten wurde als erste Krankheit eine Vitiligo beobachtet. Bei 48,3% wurde zuerst ein Diabetes mellitus diagnostiziert, bei 19,2% ein Morbus Basedow, bei 17,2% eine Hashimoto-Thyreoiditis und bei 14,6% ein Morbus Addison.

Als Kombinationen traten am häufigsten ein Diabetes Mellitus und eine Schilddrüsenerkrankung auf (32,5%), gefolgt von der Kombination Morbus Addison und Schilddrüsenerkrankung (14,6%), Diabetes mellitus und Vitiligo (9,9%) und Schilddrüsenerkrankung und Vitiligo (9,9%).

 Regelmässige Kontrollen 

Gemäss dem Marburger Arzt Armin E. Heufelder erkrankt etwa ein Drittel der Patienten mit Vitiligo auch an einer Funktionsstörung der Schilddrüse. Eine Kombination mit einer perniziösen Anämie, dem Diabetes mellitus Typ dem Morbus Addison ist seltener. Allein schon diese Häufigkeit lässt es jedoch ratsam erscheinen, dass Patienten mit einer Vitiligo ihre Schilddrüsenfunktion regelmäßig kontrollieren lassen. 

Quellen:

 Förster G, Krummenauer I, Beyer J, Kahaly G. Das polyglanduläre -Autoimmunsyndrom Typ II: Epidemiologie und Manifestationsformen. Dtsch. med. Wschr. 124 (1999), 1476-1481.
 
Referate des 18. Wiesbadener Schilddrüsengesprächs:
 

  • Droste M. Schilddrüse und Diabetes
  • Pfeiffer A. Schilddrüse und Diabetes mellitus
  • Shimshoni R, Herold H. Schilddrüse, Haut und Haare
  • Finke R. Schilddrüsenerkrankungen als Ursache für Hautveränderungen und Haarausfall
  • Unger G. Morbus Addison und Hashimoto-Thyreoiditis (Schmidt-Syndrom)
  • Heufelder A E. Autoimmunkrankheiten der Schilddrüse und anderer Organe

Schilddrüsenpraxis

Schilddrüsen-Liga Deutschland e.V.

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