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Knochenmarktransplantation   PDF  Drucken  E-mail 

Vitiligo nach Knochenmarktransplantation

Seit längerer Zeit gibt es Hinweise, dass Autoimmunerkrankungen wie Diabetes, Schilddrüsenerkrankungen oder Psoriasis mit einer Knochenmarktransplantation vom Spender auf den Empfänger übertragen werden können. Nun berichten Ärzte aus Saudiarabien erstmals über einen Fall, wo ein Patient nach einer Knochenmarktransplantation an einer Vitiligo erkrankte.

Oft kann ein Zusammenhang zwischen der neuen Erkrankung und einer Knochenmarktransplantation nicht nachgewiesen werden,weil es Monate oder gar Jahre dauert, bis sich die Krankheit entwickelt. 1997 jedoch berichtete das British Journal of Dermatology über den Fall eines 40jährigen Leukämiepatienten, dem Knochenmark von seinem Zwillingsbruder transplantiert wurde. Bereits zehn Tage später breiteten sich beim Empfänger weiße Schuppen am Rücken und später am Hals, den Stamm und die Beine aus. Wochen danach wurde eine Psoriasis diagnostiziert. Der Knochenmarkempfänger war nie zuvor an Psoriasis erkrankt. Sein Zwillingsbruder hingegen litt seit 20 Jahren an dieser Krankheit, die sich sowohl großflächig auf der Haut wie auch als Psoriasis Arthritis äußerte. Auch der Vater der Zwillinge und eine Tochter der Schwester waren Psoriatiker. Als zwei Jahre später eine zweite Transplantation nötig wurde, verschwand zwar die Leukämie, die Psoriasis hingegen verschlimmerte sich immer mehr. Sechs Jahre nach der zweiten Transplantation litt der Patient sogar an Psoriasis Arthritis.

Nun wird erstmals ein Fall von einem Patienten beschrieben, der nach einer Knochenmarktransplantation an einer Vitiligo erkrankte. Der 42jährige Patient litt an mehreren Myelomen, also Geschwülsten, die vom Knochenmark ausgehen. Nachdem er sechs Monate lang erfolglos mit Medikamenten behandelt worden war, erwogen die Ärzte eine Knochenmarktransplantation. Seine Schwester, die seit 20 Jahren an einer ausgebreiteten Vitiligo litt, kam als Spenderin in Frage und war bereit zu einer Knochenmarkspende.

Drei Wochen nach der erfolgreichen Transplantation waren die Myelome verschwunden und der Patient wurde aus dem Spital entlassen, musste allerdings weiterhin Cyclosporin einnehmen, ein Medikament, das zur Unterdrückung des Immunsystems eingesetzt wird und auch sehr gut bei Psoriasis wirkt.

Wtwas mehr als zwei Monate nach der Transplantation zeigten sich erstmals kleine weiße Flecken auf der Haut, die sich rasch ausbreiteten. Ein Jahr später war die Haut weitgehend weiß.

Zwei Jahre später zeigte der Patient Anzeichen einer Transplantat-gegen-Empfänger-Reaktion (Graft versus Host Disease, GvHD). Die GvHD ist eine Immunreaktion des Transplantats gegen den Empfängerorganismus. T-Lymphozyten im Transplantat erkennen die Zellen des Empfängerorganismus als fremd und reagieren mit einer Immunantwort. Um diese Reaktion zu minimieren, müssen bei einer Transplantation Spender und Empfänger möglichst ähnliche Rezeptoren der Zelloberfläche besitzen.

Tatsächlich zeigen viele Patienten mit GvHD Hautveränderungen wie zum Beispiel Vitiligo. Die Graft versus Host Disease gilt deshalb als möglicher Trigger einer Vitiligo. In diesem Fall jedoch war die Vitiligo aufgetreten lange bevor der Patient Anzeichen von GvHD gezeigt hatte. Zudem bezweifeln die Autoren, ob die milde Form wirklich eine Rolle spielte.

Selbstverständlich erachten es die Autoren auch als möglich, dass der Patient vorher schon die Veranlagung zu einer Vitiligo hatte und sie zufällig kurz nach Operation ausbrach. Allerdings litten die Eltern nicht an Vitiligo, und es scheint den behandelnden Ärzten eher unwahrscheinlich, dass der Patient rein zufällig erst 20 Jahre später als seine Schwester an Vitiligo erkrankte. Sie folgern deshalb, dass wohl die Knochenmarktransplantation Grund für die Erkrankung war und dass diese Beobachtung die These bestärkt, dass es sich zumindest bei gewissen Formen der Vitiligo um eine Autoimmunerkrankung handeln könnte.

Litaratur:

Alajlan A, Alfadley A, Pedersen KT. Transfer of vitiligo after allogeneic bone marrow transplantation. J Am Acad Dermatol 2002; 46:606-10

Quelle: Journal der SPVG - Schweizerische Psoriasis und Vitiligo Gesellschaft,  Postfach 8048 Zürich, Ausgabe 1/2003

Letzes Update ( Montag, 28. Juni 2004 )



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