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Keine zusätzliche Besserung durch die Einnahme von Vitamin B12 oder Folsäure bei Vitiligo

1992 stellten argentinische Dermatologen bei 15 Vitiligopatienten tiefe Werte von Vitamin B12 oder Folsäure fest. Die Behandlung mit Folsäuretabletten und Vitamin B12-Spritzen zeigte einen guten Erfolg, so dass bald Spekulationen auftauchten, diese beiden Vitamine könnten bei der Behandlung einer Vitiligo nützlich sein. Eine schwedische Studie mit 100 Patienten, die 1997 publiziert wurde, bestätigte diesen Erfolg. Eine neue Studie, welche die Anwendung von Vitamin B12 oder Folsäure in Kombination mit eine Schmalspektrum-UVB-Therapie untersuchte, kommt nun allerdings zum Schluss, dass die Vitamine die Resultate einer Bestrahlungstherapie nicht verbessern.

1992 hatte ein Team von Dermatologen in Buenos Aires bei 15 Vitiligopatienten tiefe Werte von Vitamin B12 oder Folsäure festgestellt. Sie behandelten deshalb acht dieser Patienten, indem sie ihnen Folsäuretabletten gaben und Vitamin B12 spritzten. Bereits nach Wochen stoppte die weitere Ausbreitung der Vitiligo, und nach drei Monaten war eine starke Repigmentierung festzustellen. Zwei Jahre nach Beginn der Behandlung war 80 bis 100 Prozent der Vitiligo repigmentiert.

Die schwedischen Dermatologen Lennart Juhlin und Mats J. Olsson führten darauf in Schweden eine ähnliche Studie durch, an der 100 Patienten teilnahmen. Obwohl zuvor bei denjenigen Patienten, bei denen die Werte von Vitamin B12 und Folsäure gemessen worden waren, normale Werte festgestellt wurden, erhielten alle Studienteilnehmer Tabletten mit Vitamin B12 und Folsäure, wurden aber zusätzlich ermuntert, ihre Haut mit Sonnenlicht oder UVB zu bestrahlen. Bei 64 Prozent stoppte die Ausbreitung der Vitiligo mit dieser Behandlung, bei mindestens 52 Prozent führte sie zu einer teilweisen Repigmentation und bei sechs Prozent zumindest an den Körperteilen, die bestrahlt worden waren, sogar zu einer totalen Repigmentation. (SPVG-JOURNAL 6/98)

Bereits damals äusserte Hugo Schurgast, wissenschaftlicher Leiter der Antistress AG in Rapperswil, die sich der orthomolekularen Medizin verschrieben hat, und Koautor des Buchs "Burgersteins Handbuch Nährstoffe, Bedenken. Auf die Frage welches die Wirkung von Vitamin B12 oder Folsäure bei einer Vitiligo sein könnte, meinte er: "Keine Ahnung. Nachdem ich die Studie von Juhlin und Olsson gelesen hatte, zerbrach ich mir den Kopf, wo der Wirkungsmechanismus anzusetzen sein könnte." (SPVG-JOURNAL 6/98)

1999 meldete auch Dr. Werner Löntz von der Klinik für Dermatologie und Venerologie der Medizinischen Universität Lübeck Bedenken an. "Ein Mangel von Folsäure und Vitamin B12 liegt bei Vitiligokranken nicht vor. Die bisherigen wissenschaftlichen Untersuchungen sind nicht stichhaltig genug, um bei Vitiligo eine Vitaminbehandlung zu empfehlen", schrieb er und forderte eine aussagekräftige Untersuchung mit einer Vergleichsgruppe: "Bis eine derartige Untersuchung vorliegt, kann man bestenfalls vermuten, dass Folsäure und Vitamin B12 bei einigen wenigen Betroffenen hilfreich sein könnten. In der Zukunft mag sich jedoch herausstellen, dass dies tatsächlich nicht der Fall ist. Leider gab es in der Vergangenheit schon sehr oft positive Mitteilungen über verschiedenartige Salben und Nahrungsmittelzusätze, die sich im nachhinein dann nicht bewahrheiteten." (SPVG-JOURNAL 6/99)

Holländische Dermatologen untersuchten nun den möglichen positiven Effekt von Folsäure und Vitamin B12 in Kombination mit einer Schmalspektrum-UVB-Therapie. An der Studie nahmen 27 Patienten teil, die alle über 18 Jahre alt waren und an einer seit mindestens einem Jahr stabilen Vitiligo litten.

13 von ihnen wurden ein Jahr lang dreimal pro Woche mit Schmalspektrum-UVB bestrahlt. 14 Teilnehmer erhielten zusätzlich 1 Milligramm Vitamin B12 und 5 Milligramm Folsäure pro Tag, genau gleich viel wie in der schwedischen Studie von 1997. Während der ganzen Behandlungsdauer wurden Repigmentierungen genau beobachtet, registriert und fotografiert.

Dabei zeigten sich ausgezeichnete Erfolge. Bei 25 der 27 Patienten repigmentierten weisse Flecken an den meisten Körperstellen. Lediglich bei zwei Patienten - je einer aus jeder Gruppe - musste die Behandlung nach vier Monaten abgebrochen werden, weil sie bis dahin insgesamt weniger als fünf Prozent Repigmentierung aufwiesen.

Nach einem Jahr betrug die durchschnittliche Repigmentation im Gesicht, am Nacken, am Hals, am Unterarm an der Brust und den Beinen über 90 Prozent. Weniger als durchschnittlich 25 Prozent Repigmentation hingegen zeigten die Hände, Handgelenke, Füsse und Fussgelenke.

Eine zusätzliche Wirkung durch die Einnahme von Vitamin B12 und Folsäure konnte hingegen in keiner Weise festgestellt werden - im Gegenteil, die Gruppe ohne zusätzliche Vitamineinnahme zeigte zu Beginn und wohl eher zufällig eine etwas raschere Repigmentierung, am Schluss waren die Resultate bei beiden Gruppen identisch.

Die Studie zeigt gemäss den Autoren, das mit einer ein Schmalspektrum-UVB-Therapie eine bis zu 100prozentige Repigmentierung bei 92 Prozent (25 von 27) erreicht werden kann. Nebenwirkungen wurden bis auf leichtes Prickeln und leichte Rötungen nicht festzustellen. Sie erachten deshalb die Schmalspektrum-UVB-Therapie als wirksame Therapie zur Behandlung einer Vitiligo. Tatsächlich wird die PUVA-Therapie in der Behandlung der Vitiligo in immer mehr Ländern durch Schmalspektrum-UVB abgelöst.

Hingegen ergibt die zusätzliche Einnahme von Vitamin B12 und Folsäure nach Meinung der Autoren keine Vorteile - zumindest in Kombination mit Schmalspektrum-UVB.

Quellen:

-Montes LF. Folic acid and vitamin B12 in vitiligo: a nutritional approach. Cutis. 1992 Jul;50(1):39-42.

-Juhlin L. Improvement of vitiligo after oral treatment with vitamin B12 and folic acid and the importance of sun exposure. Acta Derm Venereol. 1997 Nov;77(6):460-2.

-Kim SM. Serum levels of folic acid and vitamin B12 in Korean patients with vitiligo. Yonsei Med J. 1999 Jun;40(3):195-8

-Tjioe M, Gerritsen MJP, Juhlin L, Van De Kerkhof PCM. Treatment of Vitiligo Vulgaris with Narrow Band UVB (311nm) for One Year and the Effect of Addition of Folic Acid and - Vitamin B12. Acta Derm Venereol 2002; 82: 369–372

-Lothar Burgerstein. Burgersteins Handbuch Nährstoffe: Prävention und Therapie. 8. Auflage, vollständig neu bearbeitet und erweitert von Michael Zimmermann, Hugo Schurgast und Uli P. Burgerstein. 492 Seiten, Haug Verlag, Heidelberg 1997, ISBN 3-7760-1666-3

Quelle: Journal der SPVG - Schweizerische Psoriasis und Vitiligo Gesellschaft, Postfach 8048 Zürich, Ausgabe 1/2003




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