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Calcipotriol-Studien   PDF  Drucken  E-mail 

Bestrahlung und Daivonex bei Vitiligo: Erfolgversprechende Studien

Lichttherapien werden seit vielen Jahren zur Behandlung einer Vitiligo angewandt. Schon seit langer Zeit versucht man zudem, die Wirkung des Lichts durch die Einnahme oder das Auftragen von Medikamenten zu verbessern. Vor drei Jahren wurde erstmals bekannt, dass Calcipotriol, ein Vitamin-D-Derivat, das bei Psoriasispatienten mit großem Erfolg eingesetzt wird, auch bei Vitiligo einen positiven Effekt haben könnte (SPVG-JOURNAL 4/00).

Drei neue Studien bestätigen diese Hypothese. Zwei kommen zum Schluss, dass Calcipotriol die Wirkung einer PUVA-Therapie verbessert, eine zeigt sogar eine positive Wirkung von der Anwendung von Calcipotriol alleine auf. Psoriasispatienten kennen Daivonex seit mehreren Jahren. Das Produkt, das als Salbe, Creme oder Lotion erhältlich ist, enthält das Vitamin-D-Derivat Calcipotriol. Auf die positive Wirkung von Vitamin D stießen die Forscher per Zufall. Sie beobachteten, dass bei einer Patientin mit Osteoporose, die mit Vitamin D3 behandelt wurde, auch die psoriatischen Plaques vollständig verschwanden.

Weil zuviel Vitamin D den Kalziumstoffwechsel stört, wurden Substanzen entwickelt, die Vitamin D insoweit ähneln, als sie dieselbe heil­same Wirkung bei Psoriasis, nicht aber den­selben Einfluss auf den Kalziumstoff­wechsel haben. Schließlich gelang die Synthetisierung von Calcipotriol, einem Vitamin-D3-Derivat, das 100 bis 200 mal schwächer auf den Kalzium-Haushalt wirkt als Vitamin D3. Calcipotriol reduziert die hohe Teilungsaktivität der Hautzellen, die für die Schuppung verantwortlich ist, und fördert deren normale Reifung.

Nebenwirkungen wie zum Beispiel eine Verdünnung der Haut treten bei der Anwendung von Calcipotriol nicht auf. Vitamin-D-Präparate lassen sich außerdem sehr gut mit einer Lichttherapie kombinieren. Dabei heilen die psoriatischen Herde mit durchschnittlich kürzeren Bestrahlungszeiten schneller ab als bei einer gewöhnlichen Lichttherapie.

Mögliche Theorien

In Studien konnte gezeigt werden, dass auch Melanozyten Vitamin-D-Rezeptoren aufweisen. Möglicherweise spielt also Vitamin D eine Rolle bei der Melanin-Synthese, der Bildung der Farbstoffe in der Haut. Darüber hinaus scheint bei Vitiligopatienten auch der Kalziumstoffwechsel gestört zu sein. Das mangelnde Kalzium in den Melanozyten und Keratinozyten führt zu einer Reduktion der Tyrosinase-Aktivität.

Tyrosinase ist das Schlüsselenzym für die Herstellung des Pigments in den Melanozyten. Im Labor konnte dieser Fehler im Kalziumstoffwechsel mit der Anwendung von Calcipotriol wieder normalisiert werden. Deshalb schien der Ansatz, Daivonex auch bei Vitiligo anzuwenden, zumindest von der Theorie her vielversprechend.

Erste Versuche

Eine erste Studie zur Anwendung von Calcipotriol bei Vitiligo in Kombination mit Psoralenen und Sonnenlicht (PUVAsol) wurde 1998 publiziert. Dabei nahmen 19 indische Vitiligopatienten während 18 Monaten dreimal pro Woche Psoralene ein und setzten ihren Körper dann der Sonne aus. Zusätzlich erhielten sie Calcipotriol-Creme und eine Cremegrundlage. Diese beiden Cremes trugen sie auf je einer Seite des Körpers an den betroffenen Stellen auf. Bereits nach sechs Wochen zeigte sich, dass die weißen Flecken auf den Körperhälften, bei denen Calcipotriol angewandt wurde, schneller repigmentierten, als diejenigen auf der anderen Seite.

 Nach sechs Monaten konnte bei 70% der Patienten auf der Seite, die mit Calcipotriol behandelt worden war, eine markante oder vollständige Repigmentierung festgestellt werden. Auf der anderen Seite, die lediglich mit der Cremegrundlage behandelt worden war, war dies nur bei 35% der Patienten der Fall.

Daivonex bei Kindern

Dieselben Autoren führten eine weitere Studie zur Anwendung von Calcipotriol bei Kindern durch. Auf die zusätzliche Einnahme von Psoralenen wurde dabei verzichtet. Die Kinder wurden vielmehr angewiesen, die Calcipotriol-Creme jeweils am Abend auf die weißen Flecken aufzutragen und diese dann am nächsten Tag 10 bis 15 Minuten der Sonne auszusetzen. An der Studie nahmen 21 Kinder teil, 18 von ihnen machten bis zum Schluss mit. Von ihnen zeigten zehn eine markante oder vollständige Repigmentierung. Bei vier Kindern war die Repigmentierung bescheiden, bei weiteren vier war sie nur minimal.

Drei neue Studien

Diese Resultate waren derart ermutigend, dass weitere Studien in Angriff genommen wurden. So wurden in diesem Jahr gleich drei neue Studien publiziert, eine im Journal of the American Academy of Dermatology, zwei im British Journal of Dermatology. Auch sie kommen zu ähnlich positiven Ergebnissen, so dass sich mit dieser neuen Kombinationsbehandlung tatsächlich eine neue erfolgreiche Strategie zur Behandlung einer Vitiligo abzeichnen könnte.

Schnelle Repigmentierung

An einer Studie, die in Ankara in der Türkei durchgeführt wurde, ging es darum, herauszufinden, ob Daivonex die Wirkung einer PUVA-Therapie verbessern kann. Die 21 Studienteilnehmer trugen zweimal täglich Daivonex auf die betroffenen Stellen auf und wurden dreimal pro Woche zusätzlich mit PUVA behandelt. Insgesamt wurde 60 mal bestrahlt. Nach einem Monat zeigten bereits 71,5 Prozent der Patienten eine erste Repigmentierung.

Am Ende der Behandlung war das Resultat bei immerhin 29 Prozent der Patienten sehr gut. Zudem kam es nur zu wenigen milden Nebenwirkungen. Die Autoren folgern deshalb, dass die Möglichkeiten einer Kombinationsbehandlung von PUVA und Daivonex vielversprechend seien und weiter untersucht werden müssten.

Bessere Resultate mit Daivonex

Mit einer weiteren Studie wurde im türkischen Antalya untersucht, ob die Kombination von Daivonex und PUVA besser wirkt als PUVA allein. An der Untersuchung nahmen 35 Patienten mit einer ausgedehnten Vitiligo teil, 27 von ihnen beendeten sie. Alle Patienten waren auf mehr als zehn Prozent der Körperoberfläche von Vitiligo betroffen.

Die Teilnehmer nahmen jeweils zwei Stunden vor der Bestrahlung mit UVA Psoralentabletten ein. Zusätzlich wählten sie je eine Stelle auf der linken und rechten Seite ihres Körpers aus, auf die sie eine Stunde vor der Bestrahlung entweder die Daivonex-Creme oder die Creme-Grundlage auftrugen. Weder sie noch die Ärzte wussten, ob sie die calcipotriolhaltige Creme links oder rechts auftrugen, beide Cremen sahen gleich aus und waren lediglich mit „links“ oder „rechts“ beschriftet. Die Resultate waren relativ rasch sichtbar.

Bei 81 Prozent der Patienten repigmentierte zuerst die mit Daivonex behandelte Seite, nur bei sieben Prozent war es die mit der Grundlage behandelte Seite, und bei zwölf Prozent begannen beide Seiten gleichzeitig zu repigmentieren. Zu einer vollständigen Repigmentierung kam es bei 63 Prozent zuerst auf der Seite, die mit Daivonex behandelt worden war, bei 15 Prozent zuerst auf der anderen Seite und bei 22 Prozent auf beiden Seiten gleichzeitig.

Insgesamt waren für eine vollständige Repigmentierung durchschnittlich 27 Behandlungen nötig, wenn Calcipotriol angewendet wurde, und 30, wenn nur die Cremegrundlage aufgetragen wurde. Auch die benötigte UVA-Dosis war geringer, wenn Daivonex verwendet wurde. Die Autoren kommen zum Schluss, dass die zusätzliche Anwendung von Daivonex bei einer PUVA-Therapie zu einer schnelleren Repigmentierung führt. Sie jedoch darauf hin, dass die Behandlung noch verbessert werden könnte. So weiß man heute nämlich, dass Daivonex nicht erst eine Stunde vor einer Bestrahlung, sondern früher aufgetragen werden sollte.

Repigmentierung nur mit Daivonex

Am interessantesten scheinen die Resultate einer Studie, die am Hammersmith Hospital in London durchgeführt wurde. Hier wurden 22 von 26 Studienteilnehmern lediglich mit Daivonex ohne zusätzliche Bestrahlung behandelt. Vier weitere Patienten erhielten Daivonex und machten eine zusätzliche PUVA-Therapie. Keiner der Studienteilnehmer hatte zuvor eine spontane Repigmentierung beobachtet. Die Ausdehnung der Vitiligo lag zwischen fünf und 40 Prozent der Körperoberfläche.

Alle Patienten trugen die Daivonex Creme zweimal täglich auf den betroffenen Stellen auf. Die Creme wurde von allen sehr gut vertragen - sowohl als alleinige Behandlung wie auch in Kombination mit PUVA - und das auch im Gesicht. Die Behandlung dauerte zwischen drei und neun Monaten, die durchschnittlich Dauer lag bei sechs Monaten. Die Resultate waren verblüffend, denn auch bei vielen Patienten, die mit Daivonex allein behandelt wurden, kam es zu einer Repigmentierung. 21 Prozent von ihnen waren am Schluss der Therapie ganz oder zu über 90 Prozent repigmentiert, 32 Prozent wiesen eine Repigmentierung von 50 bis 90 Prozent auf, 23 Prozent immerhin noch eine Repigmentierung von 30 bis 50 Prozent, und nur 23 Prozent zeigten keine oder eine Repigmentierung von weniger als 30 Prozent.

Alle Patienten, die repigmentierten, zeigten nach drei Monaten erste braune Flecken in den weissen Stellen. Gut repigmentierten weiße Flecken im Gesicht, schlecht hingegen Ellbogen und Knie. Am besten reagierten Patienten mit einer Ausdehnung von weniger als zehn Prozent auf diese Therapie sowie Patienten, die weniger als fünf Jahre an Vitiligo litten.

Mögliche Alternative

Nach wie vor fehlen Studien mit einer großen Anzahl von Patienten, in denen sowohl die alleinige Anwendung von Daivonex wie die Kombination mit einer Bestrahlungstherapie untersucht wird. Und erstaunlicherweise fehlen bisher auch Arbeiten, welche die Kombination untersuchen von Daivonex und einer Schmalspektrum-UVB-Therapie, die sich heute als Standard unter den Bestrahlungstherapien bei einer Vitiligo etabliert hat. Dennoch könnte es sich angesichts der geringen Nebenwirkungen von Daivonex lohnen, diese neue Therapie - als alleinige Therapie oder in Kombination mit PUVA oder Schmalspektrum-UVB - als Alternative zu den üblichen Therapien in Betracht zu ziehen.

Literatur:

1 Parsad D, Saini R, Verma N. Combination of PUVAsol and Topical Calcipotriol in Vitiligo. Dermatology 1998; 197: 167-170

2 Parsad D, Saini R, Nagpal R. Calcipotriol in Vitiligo: A Preliminary Study. Pediatric Dermatology Vol. 16 No. 4, 317-320, 1999

3 Yalcin,-B; Sahin,-S; Bukulmez,-G; Karaduman,-A; Atakan,-N; Akan,-T; Kolemen,-F. Experience with calcipotriol as adjunctive treatment for vitiligo in patients who do not respond to PUVA alone: a preliminary study. J-Am-Acad-Dermatol. 2001 Apr; 44(4): 634-7

4 Ermis,-O; Alpsoy,-E; Cetin,-L; Yilmaz,-E. Is the efficacy of psoralen plus ultraviolet A therapy for vitiligo enhanced by concurrent topical calcipotriol? A placebo-controlled double-blind study. Br-J-Dermatol. 2001 Sep; 145(3): 472-5

5 Ameen,-M; Exarchou,-V; Chu,-A-C. Topical calcipotriol as monotherapy and in combination with psoralen plus ultraviolet A in the treatment of vitiligo. Br-J-Dermatol. 2001 Sep; 145(3): 476-9

Quelle: Journal der SPVG - Schweizerische Psoriasis und Vitiligo Gesellschaft, Postfach 8048 Zürich, Ausgabe 6/2001




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