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Anwenderstudie ReCell®   PDF  Drucken  E-mail 

Vitiligo-Patienten bei Anwenderstudie für Sprühhautbehandlung dabei

Dr. med. Christian Köhler (behandelnder Arzt von Michele Foglia) und Dr. med. Walter Künzi (Klinikleiter ad interim, Leitender Prüfarzt für ReCell®) vom Universitätsspital Zürich beantworten Fragen zur ReCell-Applikation (Sprühhaut) bei Vitiligo-Patienten.

Quelle: "Hautsache", Offizielles Organ der Schweizerischen Psoriasis- und Vitiligo-Gesellschaft,  Patientenorganisaion für Schuppenflechte und Weissfleckenkrankheit, Ausgabe 2/2006

 

Wann wurde dieses Verfahren erstmals angewendet in Ihrer Klinik?

Die erste Anwendung der ReCell® Technik in der gesamten Schweiz erfolgte am 19. September 2005 im Universitätsspital Zürich, Abteilung für Wiederherstellungschirurgie.  

War Michele Foglia der erste Patient mit einer Vitiligo?
Ja. Vitiligo stellt neben der Korrektur von Narben und der Verbrennungsbehandlung jedoch nur eine der möglichen Indikationen für die Verwendung der ReCell Technik dar. Im gesamten Kollektiv war Herr Foglia der fünfte von bis heute insgesamt zwölf Patienten am Universitätsspital Zürich.

Laufen zu dieser Anwendungstechnik noch Studien?
Derzeit nimmt das Universitätsspital Zürich an einer Europäischen Anwenderstudie zur Erfassung der Effizienz und Anwenderfreundlichkeit von ReCell teil. Hierzu werden an jedem der zirka 15 Zentren in Europa jeweils zehn Patienten behandelt und über einen Zeitraum von 26 Wochen nachuntersucht. Grundsätzlich ist diese Technik aber bereits seit mehr als zehn Monaten als  Verfahren zur Vitiligobehandlung in der Schweiz zugelassen.

Sind Ihnen aus anderen (ausländischen) Kliniken Fälle  bekannt, bei welchen das Verfahren bei Vitiligo-Patienten bereits angewendet wurde?
Im Rahmen der Anwenderstudie gibt es weitere Zentren, welche eine solche Behandlung bei Vitiligopatienten bereits durchgeführt haben. Dazu zählen in Europa bisher Deutschland, England, Schweden, Italien und Spanien. Weiterhin gibt es erste Erfahrungen aus Praxen von niedergelassenen Kollegen.

Ist das USZ die einzige Klinik in der Schweiz, welche diese Technik anbietet?
Nein, inzwischen arbeitet auch das Kinderspital Zürich mit diesem Verfahren. Einige niedergelassene Plastische Chirurgen bieten es in ihrer Praxis an.

Können Sie uns in einigen wenigen Sätzen den Verlauf einer solchen Applikation schildern?
Der Eingriff wurde in allen Fällen ambulant mit einer örtlichen Betäubung durchgeführt. Dabei wird abhängig vom zu behandelnden Areal ein kleines Stück (320 Quadratzentimeter zu behandelnde Fläche entsprechen 2x 2 cm Haut) etwa 0.2 bis 0.3 mm dünne Haut entnommen.


Anschliessend erfolgt die Aufbereitung der Haut im ReCell® Kit. Dabei erfolgt eine enzymatische Auftrennung (Trypsinierung) der oberen (Epidermis) und mittleren (Dermis) Hautschicht. Dieser Vorgang benötigt etwa 20 Minuten.Während dieser Wartezeit wird das zu behandelnde Areal oberflächlich „abgeschliffen“ (Dermabrasio), bis es zu kleinen Haarnadelblutungen kommt.


Nach der Blutstillung wird die entnommene Hautprobe aufgetrennt. Darauf werden jeweils von der Innenseite (Basalmembran) die verschiedenen Zelltypen (Keratinozyten = Hautzellen, Melanozyten = Farbzellen, Langerhanszellen = immunologische Zellen, Fibroblasten = Gerüstzellen) mit einem Skalpell abgetragen.

Letztlich wird in einer Spritze die entstandene trübe Suspension aufgesogen und mit einem speziellen Sprühkopf auf die zu behandelnden Areale und die Entnahmestelle aufgesprayt.


Es erfolgt direkt im Anschluss das Anlegen eines sterilen Verbandes mit einer speziellen Folie zum Wundverschluss. Nach etwa sechs Tagen wird die inzwischen getrocknete Folie durch das Aufbringen von Öl langsam wieder abgelöst. Die neue Haut ist entstanden.
 

Wie hoch sind die Kosten dieser Anwendung?
1750 SFr beträgt der Preis für ein ReCell Kit. Damit kann eine Hautfläche von 16 mal 20 cm (320 Quadratzentimeter) behandelt werden. Hinzu kommen noch die Kosten für die Infrastruktur und den operativen Eingriff. Diese betragen in etwa 1000 SFr. Derzeit werden diese Kosten noch nicht von der Krankenkasse übernommen. Bei erfolgreicher Behandlung gibt es hier jedoch positive Ansätze zur Kostenübernahme. Eine Anfrage lohnt sich in jedem Fall und bedarf der individuellen Prüfung.

Kann man heute schon sagen, wie hoch die Erfolgsaussichten sind?
ReCell ist weltweit betrachtet hinsichtlich der Behandlung der Vitiligo bereits seit mehreren Jahren untersucht worden. Dabei hat sich gezeigt, dass die Erfolgsraten bis zu 100 Prozent betragen. Eine Erfolgsgarantie kann jedoch aufgrund der unterschiedlichen Patientenkonditionen nicht gewährleistet werden. Es zeigt sich, dass je nach Ausprägung als auch Lokalisation unterschiedlich gute Ergebnisse erreicht werden. Die Durchführung durch einen erfahrenen Arzt  steht hier aufgrund einer anfänglichen Lernphase dieser Technik ebenso im Vordergrund und nicht unwesentlich ist auch die Tatsache, dass das endgültige Resultat in den meisten Fällen erst nach einem Zeitraum von etwa drei bis sechs Monaten sichtbar wird.

Auf welchen Vitiligo betroffenen Hautstellen lässt sich diese Technik anwenden? Wo sollte dies nicht getan werden?
Für die Behandlung mit dieser Technik gibt es keine Einschränkung hinsichtlich der Lokalisation.

Gibt es Risiken bei dieser Anwendung?
Nein. Es sind keine spezifischen Komplikationen bekannt. Allgemeine Komplikationen jeder Operation sind Infektion, Blutung oder Wundheilungsstörungen. Dies gilt auch für ReCell.

Dieses Verfahren scheint mit der Zeit eine Alternative zu den konventionellen Therapien zu werden. Welche Voraussetzungen braucht ein Vitiligo-Patient, um sich dieser Technik unterziehen zu können?
Es gibt keine ausschliessenden Kriterien für die ReCell-Behandlung bei Vitiligopatienten. Die betroffenen Areale sollten jedoch seit sechs bis zwölf Monaten in einem stabilen Stadium sein.

Wie gross werden in Zukunft die Hautstellen von Vitiligo-Patienten sein,  die in einem Verfahren so eventuell wieder repigmentiert werden könnten?
Hier sind keine Grenzen gesetzt. Grundsätzlich kann der gesamte Mensch mit diesem Verfahren behandelt werden. Ein ReCell Kit ist für eine Körperoberfläche von maximal 320 Quadratzentimetern geeignet. So können grössere Areale mit mehreren Kits oder alternativ mit ReCell® XP, wobei die Sprühhaut im Labor über  48 Stunden aufbereitet wird, behandelt werden.

Das Interview wurde per Mail von Claudia Rohr geführt.


Letzes Update ( Donnerstag, 23. März 2006 )



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